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Ähm... es gibt doch in dem Sinne gar keine Inzuchtschäden. Also belehrt mich, wenn ich das falsch sehe. Ich habe zwar in der Bartagamenzucht keine Ahnung, aber Genetik ist schon ein für mich interessantes Gebiet.
Inzuchtschäden im Sinne von Gendefekten kenne ich nur im Zusammenhang mit rezessiven Genen, wo die Eltern Träger als solches sind. Trifft ein Tier auf ein anderes mit gleichem Gen besteht die Möglichkeit, dass aus der Verpaarung eben ein Tier mit zwei rezessiven Genen herauskommt (oder meinetwegen auch mehrere, je nach Wurf-/Gelegegröße) und der Fehler sichtbar wird. Bei Inzucht ist die Wahrscheinlichkeit einfach größer, dass diese Gene aufeinander treffen, wenn z.B. Muttertier den Gendefekt tägt und mit Sohn, der ihn vererbt bekommen hat, verpaart wird.
Inzucht ist ein notwendiges Mittel in der guten Zucht. Fehler können wesentlich schneller entdeckt werden, was eine mögliche Verbreitung des defekten Gens schneller stoppen kann (wenn der Züchter entsprechend selektiert) und auf der anderen Seite, werden positive Eigenschaften verstärkt.
Inzuchtschäden als solches, die sich auf das Immunsystem auswirken kenne ich nur, wenn über mehrere Generationen Inzuchtlinien gezogen werden. "Fremdblut" ist gerade bei Haus- und Heimtieren eigentlich ein sehr dehnbarer Begriff. Im Grunde redet man ja davon, dass aus ein paar wenigen Tieren ganze Linien gebaut wurden, diese Linien wurden untereinander gemischt, wodurch sich Genkombinationen ergeben haben. Man hat zwar keine "neuen" Gene hinzugefügt, aber die Kombinationen sind wesentlich vielfältiger. Natürlich ist das anders, wenn entsprechende Wildfänge eingekreuzt wurden (je nach Tierart ist der Ursprungsgenpool dann entsprechend größer).
Linienzucht heißt auch nicht immer, dass direkt verwandte Tiere gekreuzt wurden. Der Inzuchtkoeffizient kann prozentual auch herab gesetzt werden, wenn man Oma und Enkel, Cousin und Cousine (um es einfacher darzustellen) oder noch weiter entfernte verwandte Tiere miteinander kreuzt. Zumindest sofern man davon ausgeht, dass die Tiere fremde Eltern haben und keine reinen Inzuchtlinien ohne Fremdgene sind.
In der proffesionellen Zucht (und ich rede nicht nur von Laboren oder Hobbywohnzimmerhundezuchten, sondern auch generationsreiche Pferdezucht etc.) wird schon immer Linienzucht betrieben, um eben das Optimum anzustreben, in dem man Stärken besser herauszüchtet und Schwächen schneller aufdeckt, eben auch mit dem ein oder anderen Inzuchtwurf.
Inzucht ist m. E. nur so in Verruf, weil jeder x-beliebige, der fähig ist Tiere zu kreuzen (von Maus bis Pferd, vom Säuger bis Reptil) unkontrollierte Inzucht betreiben kann. Tiere mit Fehler nicht zwingend selektiert hat und sich damit festgesetzt hat, das Inzucht Schäden verursacht. Was ja nicht stimmt. Es zeigt eigentlich nur, wie "versaut" die Gene mancher Tiere sind. Inzucht ist von daher ein sinnvolles Mittel, aber nur von Leuten, die sich damit auskennen, eine Begründung haben (stichhaltig), warum sie diese betreiben, das ganze nicht übertrieben wird und entsprechend gehandelt wird.
Ich wollte das nur mal so anmerken. Ich weiß, dass es ein schwieriges Thema ist. Finde es aber immer schade, wenn aus falschen Gesichtspunkten geurteilt wird, auch wenn Inzucht nichts in Wohnzimmerzuchten von Hobbyvermehrer zu suchen hat, vor allem, wenn sie der Meinung sind, Fehler entstehen ausschließlich aufgrund der Inzucht und nicht aufgrund eh schon vorhandener Gendefekte.
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